Beitrag vom 19.05.2026, von Hanna Lichter
Warum wirken so viele Entwürfe aus den 60ern und 70ern heute noch so frisch? Ob bunte Leuchten oder modulare Regalsysteme – viele dieser Klassiker haben die Jahrzehnte mühelos überdauert und prägen noch immer unser Zuhause. Gemeinsam mit unserer Traditionsmarke Kartell sind wir dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis: Die Designs sind heute aktueller denn je, weil die damaligen Designer eine grundlegende Überzeugung teilten: Möbel sind Werkzeuge des Lebens.

Was machte die 60er- und 70er-Jahre so besonders?
Die 1960er- und 1970er-Jahre brachten grosse Veränderungen. Gesellschaftlich, kulturell und gestalterisch. Diese haben den Designstil grundsätzlich verändert: Design wurde alltagstauglich, funktional und nah am Leben.
Design muss keine schwere Materie sein. Gute Ideen sind leicht, überraschend und fügen sich natürlich in unser Leben ein.
– Ferruccio Laviani, Chefdesigner bei Kartell
Ein zentrales Material dieser Zeit war Kunststoff: leicht, formbar und bunt. Ein Material, das Möbel beweglicher und vielseitiger machte. Kartell prägte diese Entwicklung mit klaren, nutzbaren Entwürfen.
Den Möglichkeiten und dem Innovationsgeist der 60er und 70er sind also Entwürfe zu verdanken, die ihrer Zeit voraus waren. Welche Kriterien sind es aber, die gutes Design ausmachen und es in die Zukunft tragen?
Ein Klassiker bleibt, weil er im Alltag hilft. Die Componibili sind ein gutes Beispiel: kompakt, modular und stapelbar.
Entworfen Ende der 60er von Anna Castelli Ferrieri, trafen sie den Nerv der 70er-Jahre, in denen Wohnraum flexibler genutzt werden musste. Die einzelnen Elemente lassen sich je nach Bedarf kombinieren – im Bad für Pflegeprodukte, neben dem Bett als Nachttisch oder im Wohnzimmer für Kleinteile.
Die Masse sind bewusst gewählt, sodass sie in kleine Nischen passen und gleichzeitig genug Stauraum bieten. Seit Jahrzehnten sind sie im Einsatz, und das bis heute ohne grundlegende Änderungen. Weil das Prinzip funktioniert.
Also: Wenn ein Möbelstück deinen Alltag erleichtert und sich flexibel einsetzen lässt, bleibt es.
Die 60er und 70er zeigen organische, weiche Formen. Runde Kanten, einfache Geometrien und klare Linien sorgen für ein ruhiges Gesamtbild. Diese Formensprache wirkt auch in unterschiedlichen Wohnstilen stimmig, weil sie sich nicht aufdrängt, sondern ergänzt.
Ein einzelnes markantes Objekt reicht oft aus, um einem Raum Struktur zu geben. Produkte wie der Zeitschriftenständer oder die runde Componibili‑Version wirken spielerisch, ohne dabei kitschig zu werden.
Kurz gesagt: Ein starkes Möbelstück gibt Orientierung und prägt den Raum.
Kunststoff wurde in dieser Zeit gezielt eingesetzt: mit stabilen Wandstärken, gleichmässigen Oberflächen und klaren Kanten. Das Ergebnis sind Möbel, die sich leicht reinigen lassen und über Jahre hinweg ihre Form behalten.
Heute kommen neue Varianten wie Polycarbonat dazu, die transparent oder farbig eingesetzt werden und zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten bieten.
Qualität zeigt sich im Detail: keine scharfen Kanten, dafür gleichmässige Flächen und stabile Verbindungen. Solche Merkmale entscheiden darüber, ob ein Möbelstück auch nach Jahren noch gut funktioniert und aussieht.
Kurz gesagt: Hochwertige Materialien und saubere Verarbeitung zahlen sich langfristig aus.
Gutes Design verbindet Generationen, weil es von Anfang an auf echte Nutzung ausgelegt war – und nicht nur für die Schaufenstergalerie. Die progressiven Ideen der 60er- und 70er-Jahre waren damals ihrer Zeit voraus und lassen sich heute eins zu eins auf unser modernes Wohnen übertragen. Warum? Weil sich unsere Kernbedürfnisse an ein Zuhause im Grunde nicht verändert haben.
Damals wie heute gilt: Das Leben ist dynamisch, und unsere Möbel müssen es auch sein. Was wir heute brauchen:
Das Geheimnis dieser Ära liegt also nicht in der blossen Nostalgie. Es liegt in der wegweisenden Erkenntnis der damaligen Designer: Möbel sind Werkzeuge des Lebens. Und weil sie so konzipiert wurden, lösen sie die Probleme von heute noch genauso elegant wie vor fünfzig oder sechzig Jahren.
Unsere Empfehlung für Sie:Kartell
Wenn gute Designs zeitlos sind – welche Rolle spielen dann Unternehmen wie Kartell?
Kartell entwickelt die Entwürfe der 60er und 70er Jahre kontinuierlich im Sinne der Designer weiter und passt sie an moderne Standards an. Die Form der Klassiker bleibt gleich, aber die Materialien und teilweise auch die Produktionsmethoden ändern sich: Kartell nutzt heute bio-basierte Kunststoffe, recycelte Materialien und transparentes Polycarbonat. Das macht die Möbel langlebiger und erfüllt heutige Umweltstandards.
Chefdesigner Ferruccio Laviani entdeckte vor rund 30 Jahren zum Beispiel die alten Leuchten-Entwürfe im Kartell-Archiv, die damals fast vergessen waren. Begeistert von dem Potenzial der Entwürfe, nutzte er moderne Spritzgusstechnologie, um die Leuchten völlig neu zu interpretieren.
Bei den Modellen Bourgie und Take sieht man das Ergebnis. Sie transportieren die markanten, spielerischen Formen der 70er-Jahre in die Gegenwart. Durch das transparente Material und die neue Art der Lichtbrechung passen sie in moderne Wohnzimmer und schlagen die Brücke zwischen den Jahrzehnten.
Das ganze Interview mit Ferruccio Laviani liest du hier: „Mein erstes Lampendesign war ein glücklicher Zufall“
Charakterstücke, die bleiben
Wer sein Zuhause mit diesen Stücken einrichtet, trifft eine bewusste Entscheidung: weniger Einzelteile, dafür durchdachte Stücke, die bleiben. Das Ergebnis sind Räume, die aufgeräumt wirken, flexibel nutzbar sind und auch nach Jahren noch stimmig aussehen.
Beitrag vom 19.05.2026, von Hanna Lichter