Design-Interview Gesa Hansen: "Holz ist für mich ein Zauberwerkstoff"

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Beitrag vom 09.05.2016, von Sabrina Pflüger

"Holz ist für mich ein Zauberwerkstoff."

Die Designerin Gesa HansenDie Mutter Dänin, der Großvater Architekt und der Vater mit der eigenen Möbelmarke Hansen & Hansen erfolgreich - der im beschaulichen Sauerland aufgewachsenen Gesa Hansen wurde das Talent zum Design quasi in die Wiege gelegt. Nach dem Studium an der Bauhaus Universität Weimar und einem Auslandsaufenthalt in Japan ging Gesa Hansen nach Paris, wo sie unter anderem im Atelier von Jean Nouvel arbeitete. 2009 gründete sie in der französischen Hauptstadt schließlich ihr eigenes Studio: The Hansen Family. Inzwischen zählt sie mit ihren natürlich skandinavischen Entwürfen zu einer der erfolgreichsten deutschen Jungdesignerinnen. Im Interview gewährt uns die Wahl-Pariserin einen Einblick in ihren Arbeitsalltag, verrät uns ihr persönliches Design-Vorbild und plaudert über Zukunftspläne.

Was genau fasziniert dich an dem Beruf des Designers?

Ich wollte eigentlich auf gar keinen Fall Designer werden, sondern Grafiker. Mich faszinierte vor allem das Layout der Designbücher, die bei meinen Eltern und meinem Onkel lagen, noch vielmehr als der Inhalt. Erst als ich eine Vorlesung von Axel Kufus besuchte habe ich begriffen, was die Aufgabe eines Designers ist. Er ist und bleibt für mich das beste Vorbild eines Designers.

Nach deinem Studium an der Bauhaus Universität in Weimar bist du für zwei Jahre nach Japan gezogen, inzwischen lebst du seit mehreren Jahren in Paris. Wie haben deine Reisen und die Zeit in Paris dein persönliches Design beeinflusst?

In Japan hat mich das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne fasziniert, die unglaubliche Hingabe zum Detail und die Bedeutung von Ritualen. Ich finde, dass heutzutage immer mehr Rituale im Alltag abhandenkommen. Durch meine Möbel versuche ich, einige davon zurückzubringen.
Paris ist meine Wahlheimat, in keiner anderen Stadt fühle ich mich so aufgehoben und zuhause wie hier. Zum einenwegen ihrer Schönheit, zum anderen wegen ihrer Bewohner: Ich liebe die Alltagsrituale der Pariser. Und es ist eine sehr emotionale Stadt. Hier habe ich gelernt freier mit Farben, Textilien und Mustern umzugehen.

The Hansen Family - Remix Collection Couchtisch So entsteht ein ein Hansen Family Remix Collection CouchtischThe Hansen Family - Remix Collection Couchtisch

Inspiration schöpft die Wahlpariserin aus der Natur. Dabei sind es nicht nur die Farben und Formen, die Hansen inspirieren, sondern vor allem der natürliche Rohstoff Holz, den Gesa Hansen mit Vorliebe für ihre Möbelentwürfe verwendet.

Holz ist für mich, seit meiner Kindheit, wie ein Zauberwerkstoff. Damals baute mir mein Großvater aus Holz alles, was ich wollte: Schiffe, eine Puppenstube, kleine Möbel für meine Kuscheltiere, einen Bollerwagen … Ich hatte das Gefühl, dass man aus Holz alles machen kann und das Gefühl habe ich immer noch. Ich mag auch, dass es ein lebendiger Werkstoff ist, ich mag seine Haptik, seinen Geruch und die Art, wie es altert.

Typisch Hansen? Folgt dein Design einer bestimmten Grundidee?

Ich möchte kein auffälliges Design machen. Dabei versuche ich, die für mich perfekte, harmonische Form zu finden. Es ist mir wichtig, dass das Möbel absolut seinen Zweck erfüllt. Aber alles, was ich mache, steht in der skandinavischen Formentradition. Ich denke, das ist einfach meine DNA.

The Hansen Family - Tivoli Remix Sound Sideboard The Hansen Family - Mirror, schwarz Flexibles Sofa & Tagesbett in einem

Wie würdest du deinen eigenen Einrichtungsstil beschreiben und welche Einrichtungsgegenstände findet man in der Wohnung?

Fast alle Gegenstände in meine Wohnung haben eine Geschichte. Oft sind es alte Möbel meiner Familie, Objekte von Reisen, Prototypen und Experimente oder Produkte von befreundeten Designern. Kurzum zu allen Objekten habe ich eine emotionale Verbindung.

Als Mitbegründerin arbeitest du seit 2011 nicht mehr nur an neuen Produkten für dein Label The Hansen Family, sondern mit dem HFB Studio auch im Bereich Interieur und Set Design. Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei dir aus?

Ich bringe morgens meine Kinder in die Kindergärten. Danach treffe ich Pascaline und Ai auf einen Kaffee im Restaurant 52, dem Restaurant meines Mannes, das ich entworfen habe. Unser Büro ist nur einen Block weiter. Wenn uns Materialien fehlen, ziehen wir durch die vielen Showrooms in Paris, um neue Fliesen, Textilien oder Tapeten zu finden. Pascaline arbeitet gerade wieder an einem Givenchy Film, ich arbeite aktuell an einem Projekt für Dom Perignon und Villeroy & Boch. Wir besprechen alles miteinander, aber bei jedem Projekt gibt es einen von uns, der das Ruder in der Hand hält.

Was für Pläne und Wünsche hast du für die Zukunft?
Ich werde dieses Jahr wahrscheinlich das erste Hotelprojekt designen. Falls alles klappt, wäre das unglaublich. Und ich liebe natürlich Vitra und Artek, seit ich ganz klein bin. Für eine dieser Firmen zu arbeiten, wäre für mich das Größte.


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